Fahrradhelme

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Helmpflicht oder nicht ?


Immer wieder entbrennen heiße Diskussionen, wie wichtig die Fahrradhelme sind und welchen Nutzen sie wirklich bringen. Für eine Untersuchung in dieser Richtung wurden mehr als 4.000 Unfälle mit Fahrrädern näher betrachtet, deren Verletzungen in der Klinik behandelt werden mussten, wobei der Anteil der Helmträger nur sehr gering war. Etwa die Hälfte der Verunglückten erlitten Verletzungen am Kopf und davon waren gute zwei Drittel in dem Bereich des Kopfes, der durch einen Fahrradhelm geschützt war. Mehr als die Hälfte der Verletzten erlitten außerdem noch Verletzungen an den unteren Körperteilen.

 

Studien über die Wirksamkeit von Fahrradhelmen

 

Es wurden bereits zahlreiche Studien über die Wirksamkeit der Fahrradhelme angestellt und das britische  Verkehrsministerium wertete insgesamt 16 Untersuchungen aus. Als Fazit dieser Auswertung konnte festgestellt werden, dass in allen Studien ein gewisser Schutz geboten wird. Allerdings sind doch einige Unterschiede bei der Schutzwirkung zu verzeichnen.

 

In verschiedenen Untersuchungen wurde behauptet, dass die Kopfverletzungen durch das Tragen von Helmen sogar bis zu 88 Prozent minimiert werden können und selbst die Zahl der Fahrradunfälle mit tödlichem Ausgang gesenkt werden kann. Jedoch wurde auch bei diesen Ergebnissen von anderer Seite Einspruch erhoben. Allerdings wurde festgestellt, dass ein Fahrradhelm dennoch eine sinnvolle Schutzwirkung aufweist. Damit Verletzungen des Kopfes verringert werden, ist das Tragen von Fahrradhelmen eine wichtige und sinnvolle Vorkehrung, auf die nicht verzichtet werden sollte.

Jedoch sind ein großer Teil dieser Untersuchungen explorativ, das heißt keine kontrollierten randomisierten Untersuchungen, wie sie unter anderem von der evidenzbasierenden Medizin gefordert werden. Somit werden über die Aussagekraft dieser Studien Einschränkungen durch unterschiedliche Probleme der Statistik erhoben. So ist es zum Beispiel auch möglich, dass Radfahrer die Helme tragen, die regelmäßig mit ihrem Fahrrad fahren und längere Strecken damit zurücklegen, da sie einfach einem höheren Risiko eines Unfalls ausgesetzt sind. Eher selten tragen die Radfahrer einen Helm, die nur gelegentlich mit dem Rad unterwegs sind und verhältnismäßig kurze Strecken fahren. In den explorativen Untersuchungen sind diese Faktoren nur schwerlich zu erfassen.

Ebenfalls gibt es genauso Untersuchungen, in denen die Fahrradhelme keine schützenden Wirkungen aufweisen konnten. Des Weiteren wird vermutet, dass bei speziellen Unfällen mit Fahrrädern die Helme die Gefahr der Verletzungen noch erhöhen. Bedingt ist dies vor allen Dingen bei erhöhten Rotationskräften.

 

Strenge Kriterien bei Fahrradhelmen

 

In der gesamten Europäischen Union und genauso in der Schweiz müssen die Fahrradhelme strengen Kriterien standhalten können. Hierfür sind spezielle Normen und Prüfverfahren entscheidend, ob ein Fahrradhelm auf den Markt kommen kann oder nicht. So werden die Fahrradhelme nach der EN 1078 geprüft, worauf beim Kauf unbedingt geachtet werden sollte. Hierbei kommen verschiedene Prüfverfahren zum Einsatz, so werden die Prüfköpfe mit Massen von 3,1 bis zu 6,1 Kilogramm überprüft. Dabei werden sie auf eine Ebene aus einer Höhe von anderthalb Metern fallen gelassen. Hierbei beträgt die Geschwindigkeit des Aufschlags 19,5 Kilometer pro Stunde. Mit einer Aufschlaggeschwindigkeit von 16,5 Kilometern pro Stunde werden die Prüfköpfe auf ein dachähnliches Ziel zentral aus einer Höhe von etwa 1,1 Metern fallen gelassen. Dabei besteht das Ziel des Falls aus Stahl. Im Prüfkopf selbst ist ein Sensor integriert und dieser darf die 250 Gramm Marke der Beschleunigung nicht überschreiten. Die Anfertigung des Prüfkopfes muss der DIN EN 960 entsprechen.

 

Die Helmpflicht in Deutschland

 

Bis heute gibt es in Deutschland keine Fahrradhelmpflicht im öffentlichen Straßenverkehr. Ebenfalls gibt es bis dato noch nicht viele Urteile, bei denen es wichtig war, ob ein Fahrradhelm bei einem Unfall getragen wurde oder nicht. Bisher wurde noch kein Urteil ausgesprochen, was auf das Mitverschulden durch einen nicht getragenen Fahrradhelm zurückzuführen ist oder diese sind umstritten. Jedoch können Fahrradhelme vor kleineren Verletzungen, wie beispielsweise Platz- und Schürfwunden schützen, das sollte jeder Radfahrer bedenken.

 

Die Helmpflicht in den einzelnen Ländern

 

Nicht in jedem Land besteht die Pflicht, einen Fahrradhelm zu tragen, doch empfehlen die Experten im Allgemeinen, einen solchen beim Radfahren zu tragen. So können damit doch verschiedene Kopfverletzungen ganz vermieden werden oder bei einem Sturz laufen sie wesentlich glimpflicher ab. Auch zum 47. Deutschen Verkehrsgerichtstag, der übrigens seit 1963 jedes Jahr stattfindet, und genauso von den Verfassern der Sicherheitsstudie „Gefahren und Risikofaktoren beim Fahrradfahren in Österreich“ wird das Tragen eines Fahrradhelms empfohlen. Zwar sind die Radfahrer mit den Fahrradhelmen nicht vor Unfällen geschützt, jedoch können damit zum Teil Kopfverletzungen deutlich reduziert werden. Auch wenn der prozentuale Anteil dieser Verletzungen bei Radunfällen lediglich bei fünf bis zehn Prozent liegt, sind die daraus resultierenden dauerhaften Schäden für den Betroffenen gravierend.

 

Die Fahrradhelmpflicht in Deutschland

 

Bereits seit den 1970er Jahren wird in Deutschland über die Fahrradhelmpflicht heftig diskutiert. Dabei wird debattiert, ob die Eingriffe in die Entscheidungsfreiheit gerechtfertigt sind, wenn die vermutete höhere Schutzwirkung des Fahrradhelms als Pflicht durchgesetzt wird. Wird die Helmpflicht für Radfahrer eingeführt, so befürchten einige der Gegner, dass nur noch wenige Menschen auf das Fahrrad als Fortbewegungsmittel zurückgreifen, ähnlich wie es in einigen Staaten von Australien der Fall war. Dadurch würden wiederum die noch verbleibenden Radfahrer vermehrt gefährdet. Eine allgemeine Helmpflicht wird ebenso von den Experten der oben genannten Studie abgelehnt, denn dadurch würde das Fahrrad nicht mehr so oft genutzt und das belegen auch internationale Untersuchungen. Die Fahrradhelme tragen zwar zu einer höheren Sicherheit bei, allerdings sollten sie nicht als Allheilmittel angesehen werden, denn allein durch das Tragen eines Helms wird das Radfahren nicht sicherer. Bis zum heutigen Tag besteht in Deutschland noch keine Pflicht, einen Fahrradhelm zu tragen.

 

Die Helmpflicht in Finnland und Schweden

 

In Finnland müssen alle Radfahrer einen Helm tragen, jedoch werden keine Gebühren oder Geldbußen verhangen, wenn kein Fahrradhelm getragen wird.

Seit dem 1. Juli 2005 müssen Kinder unter 15 Jahren in Schweden beim Radfahren einen Helm tragen. In den Wohngebieten stieg die Zahl in den Jahren von 2005 bis 2009 von Kindern unter zehn Jahren, die einen Fahrradhelm trugen und im gleichen Zeitraum stieg die Quote bei den Kindern zwischen sechs und 15 Jahren an, die täglich mit dem Rad zur Schule fuhren und einen Helm trugen von 37 auf 47 Prozent an. Von 2007 bis 2009 veränderte sich die Trageanzahl bei den Erwachsenen nicht, sie blieb bei 27 Prozent konstant. In dieser Zeitspanne kam es zu weniger tödlichen Radunfällen, die Zahl sank von 33 auf 19 ab.

Die Fahrradhelmpflicht in Spanien, Tschechien und den USA

 

Außerhalb von geschlossenen Ortschaften muss in Spanien ein Fahrradhelm von den Radfahrern getragen werden. Lediglich bei extremen Temperaturen, langen Steigungen und einer medizinischen Indikation sind die Radfahrer von der Helmpflicht entbunden.

Wie in Schweden, so besteht seit dem 1. Juli 2005 auch in Tschechien eine Helmpflicht und zwar für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

 

In den Bundesstaaten der USA ist die Helmpflicht unterschiedlich geregelt, so besteht keine Fahrradhelmpflicht in

 

- Colorado
- Arkansas
- Arizona
- Alaska
- Iowa
- Illinois
- Indiana
- Idaho
- Kentucky
- Kansas
- Missouri
- Montana
- Mississippi
- Minnesota
- Michigan
- Nevada
- Nebraska
- North und South Dakota
- Oklahoma
- Ohio
- South Carolina
- Utah
- Texas
- Virginia
- Washington
- Wyoming und
- Wisconsin.

 

Für Mädchen und Kinder unter 16 Jahren in mitgeführten Anhängern oder Kindersitzen besteht hingegen in

 

- Alabama
- Conneticut
- District of Columbia
- Florida
- Georgia
- Hawaii
- Maine
- Maryland
- New Hampshire
- North Carolina
- Oregon
- Rhode Island und
- Tennessee

 

die Helmpflicht. In Massachusetts und New Jersey müssen Mädchen unter 17 Jahren und Kinder gleichen Alters in mitgeführten Anhängern oder in Kindersitzen einen Helm tragen. Für

 

- Delaware
- Kalifornien und
- New Mexico

 

beträgt das Alter 18 Jahre. In Louisiana und Pennsylvania ist die Altersbegrenzung auf zwölf Jahre und in New York auf 14 Jahre festgelegt. In West Virginia ist das Alter auf unter 15 festgelegt. 

 

Kritik an Fahrradhelmen

 

Es werden immer wieder aufs Neue Debatten über eine eventuelle Fahrradhelmpflicht geführt, wie es auch schon bei anderen technischen schützenden Maßnahmen der Fall war, wie unter anderem beim Motorradhelm oder dem Sicherheitsgurt für das Auto. An den deutschen Bundestag wurde bereits 2007 eine Eingabe über eine Fahrradhelmpflicht eingereicht. Darin wurde vor allen Dingen auf die wenig vorhandenen Radwege bzw. deren schlechten Zustand hingewiesen und genauso auf die preiswerten Fahrräder, die nicht immer ausreichend Sicherheit bieten. Allerdings wurde die Petition vom Bundestag 2008 abgelehnt. Unter anderem war einer der Gründe für die Ablehnung die drohende Überreglementierung. Des Weiteren befürchtete der Ausschuss, dass viele Menschen dann das Fahrrad nicht mehr nutzen würden und wieder auf ein motorisiertes Fahrzeug umsteigen würden, was wiederum die Umwelt belasten würde.

 

Begründungen der Befürworter der Helmpflicht

 

Die Befürworter brachten einige Argumente für die Fahrradhelmpflicht vor, so sind sie überzeugt davon, dass durch das Tragen von einem Fahrradhelm bei einem Unfall die Gefahr für Kopfverletzungen minimiert wird. Für viele Radsportler ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie einen Helm tragen und auch bei Veranstaltungen des Radsports wird von einigen Veranstaltern der Fahrradhelm gefordert. Des Weiteren wird im öffentlichen Straßenverkehr von ihnen eine Fahrradhelmpflicht befürwortet.

 

Begründungen der Gegner der Helmpflicht

 

Dass der Gesetzgeber eine Helmpflicht einführt, halten viele Radfahrer nicht für nötig. Sie treffen lieber selbst die Entscheidung, ob sie einen Helm beim Radfahren tragen oder doch darauf verzichten. Dabei machen sie ihre Entscheidung abhängig vom eigenen Risiko. Einige der Radfahrer stellen auch in Frage, ob ein Fahrradhelm wirklich bei allen Begebenheiten Vorteile bringt. Als Begründung sagen sie, dass Fahrradhelme genauso Gefahren und Nachteile mit sich bringen können.

 

Ebenfalls gibt es einige Gegner, die vielmehr im Helm eine noch größere Gefahr für Verletzungen sehen. Sie stellen sich die Frage, ob bei schweren Fahrradunfällen die Gefahr von Schädigungen des Gehirns durch die hohen Rotationsbeschleunigungen des Kopfes durch das Tragen von einem Fahrradhelm erhöht werden könnten. Besonders der Kiefer und das Gesicht werden durch einen Helm nicht geschützt, so dass das Risiko einer Verletzung des Kiefers erhöht sein könnte.

 

Kritiker nennen mögliche Gefährdungen

 

Die Kritiker der Helmpflicht brachten mögliche Gefährdungen durch das Tragen von einem Fahrradhelm an den Tag, die möglicherweise wiederum die Schutzwirkungen selbiger aufheben könnten. So äußerten sie sich dahingehend, dass es möglich wäre, dass sich das Fahrverhalten verändern würde und mehr Risiken eingegangen würden. Durch das Tragen des Helms könnte ein erhöhtes Sicherheitsgefühl hervorgerufen werden. Ebenfalls sind die Kritiker der Meinung, dass durch die veränderte, riskantere Fahrweise andere Verkehrsteilnehmer gefährdet würden und das insbesondere beim Überholen, da hier geringere Abstände eingehalten werden könnten. Auch wird vermutet, dass durch eine gesetzlich angeordnete Helmpflicht es zu einem kurzfristig verminderten Anteil des Radverkehrs kommt und damit gleichzeitig die noch übrigen Radfahrer höher gefährdet würden.

 

Nach Ansicht der Kritiker der Fahrradhelmpflicht sollte aufgrund dieser negativen Auswirkungen für die Radfahrer keine Helmpflicht eingeführt werden. Sie beobachteten bei Radfahrern schon des Öfteren, dass die Helme falsch sitzen oder sogar ungeeignete Modelle gewählt wurden, da sie nicht selbst die Entscheidung getroffen hatten, sondern wegen Vorschriften oder ähnlichem zum Tragen eines Fahrradhelms gezwungen wurden.

Auch wird von den Gegnern darauf hingewiesen, dass die durchgeführten Studien mit den nachgewiesenen Schutzwirkungen der Helme einige Fehler enthalten und somit die Resultate entkräften würden. Außerdem fördert das Fahrradfahren durch die Bewegung und die frische Luft die Gesundheit der Menschen.